Warum ich keine Tantramassage mehr gebe!

Wer mich bereits kennt, weiß, dass ich in den letzten sieben Jahren eine eigene Tantramassage-Praxis in Bad Schwartau geführt habe. Dort habe ich viele Tantra-Massagen gegeben. Mein Klientel, welches mich in dieser Zeit aufsuchte, war so bunt wie das Leben selbst. Da sich mein professionelles Angebot immer schon von einigen anderen Tantra-Massage-Angeboten unterschied, machte ich ausschließlich gute Erfahrungen damit.

In diesen sieben Jahren und sowohl schon vor als auch nach meiner Ausbildung bei Tantra Connection in Essen war ich Tag für Tag aufs Neue fasziniert von dem, was ich dort gelernt und mit auf den Weg genommen habe und dem, was ich durch meine feine Art der Wahrnehmung im täglichen Umgang mit meinen Klientinnen und Klienten hier erfahren durfte.

Ich hörte nicht auf, zu beobachten und auch Neues auszuprobieren, meiner Intuition zu folgen und mich einfach dem Fluss der Energien hinzugeben und durch meine Hände hindurch etwas Höheres wirken zu lassen. Es war meist kein Tun dessen, was ich in der Ausbildung gelernt habe, sondern eher ein Zulassen dessen, was sich entfalten möchte und von einer anderen Stelle aus vorgegeben wurde.

So wurden viele Massagen zu einzigartigen Kompositionen des puren Seins zweier Seelen, die sich in diesem Raum begegneten. In Worten ist dieser Zustand schwer zu beschreiben und ich spüre gerade jetzt wieder die Begrenztheit unserer äußeren Welt, wenn ich versuche, dies hier niederzuschreiben und in geeignete Worte zu fassen. Es ist schlichtweg unmöglich.

Es gab Menschen, die nach Missbrauch und Operationen wieder zu sich selbst finden wollten. Andere, die verzweifelt auf der Suche nach ihrer Sexualität waren, wo plötzlich nichts mehr funktionierte, auch Menschen, denen ganzheitliche Berührung als essentieller Bestandteil des menschlichen Lebens einfach fehlte. Paare, die sich sexuell auseinander gelebt haben oder einfach neue Wege gehen wollten.

Ich erhielt viele Worte des Dankes und der Wertschätzung von Menschen, die sich vertrauensvoll in meine Hände begeben haben und die ich ein Stück ihres Weges begleiten durfte. Und ich bin sehr dankbar und demütig für diese sieben Jahre meines Lebens, in denen ich diesen wundervollen Menschen begegnen und sie begleiten durfte.

Nun sagt der Gesetzgeber, was ich bislang gemacht habe, sei seit dem 1. Juli 2017 Prostitution und möchte, dass ich von nun an als Prostituierte registriert mit einem „Hurenausweis“ durch die Gegend laufe.

Das alleine reicht ihm aber noch gar nicht aus. Nein, solange ich nicht als Prostituierte in einer Prostitutionsstätte mitarbeite und eigene Räumlichkeiten habe, betreibe ich selber eine Prostitutionsstätte, die wiederum eine Auflage zu erfüllen hat, die sich ein kleines seriöses Einzelunternehmen gar nicht leisten kann. Es soll getrennte Badezimmer geben, die Räume dürfen sich nicht in der Nähe von Kindergärten und Kirchen befinden und müssen über ein Notrufklingelsystem verfügen und noch vieles mehr.

Ich habe mich lange mit diesem Gesetz auseinandergesetzt, welches offensichtlich mehr die vielen Prostitutionsbetriebe im Auge hat, Betriebe, die ihre erotischen Massagen als Tantramassage anbieten und nicht die professionelle und zertifizierte Tantramassage. Letztendlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich in dem verstandenen Sinne schon lange gar keine Tantramassage mehr gebe.

Meine Arbeit hat sich seit meiner Ausbildung zur Tantramasseurin stark verändert. Ich habe weitere Ausbildungen absolviert, unter anderem den Heilpraktiker für Psychotherapie, Coachingausbildung, Körperpsychotherapie und vieles mehr. Mir wurde klar, dass es Zeit wird für eine Neuausrichtung.

Tantra war der Grundstein und ich bin mit einem Tantramassage-Institut gestartet und habe alles, was ich seitdem dazu gelernt habe, darunter „mitverpackt“. Dabei war es schon lange etwas ganz anderes geworden. Deshalb habe ich mich entschlossen, von nun an keine Tantramassage mehr zu geben, sondern meine Klientinnen und Klienten weiterhin mit dem zu begleiten, was ihnen hilft, sich auf sexueller Ebene selbst zu erfahren und ihnen zu Erkenntnissen über ihr wahres Sein zu verhelfen. Einen Raum zu schaffen, der auf vertrauensvoller Basis und Achtsamkeit die eigene Sexualität ins Bewusstsein bringt und wodurch sich das erotische Potenzial erweitern kann.

So bin ich nun Gesundheitspraktikerin für Sexualkultur und beschäftige mich weiterhin mit Themen rund um eine gesunde Sexualität. Und das meint für mich insbesondere, dass ich damit so weit weg bin aus dem Prostitutionsmilieu, wie man nur sein kann. Denn die Art von Sexualität die dort gelebt wird, möchte ich helfen zu transformieren. In meinen Augen ist sie leider nur Ausdruck einer verzweifelten, zutiefst verletzten Gesellschaft, die ihre unbewussten Anteile verdrängt und verlernt hat, ihre sexuelle Energie für’s Positive einzusetzen.

Vereinzelt gab es auch Menschen die mich aufsuchten, die die Tantramassage benutzten, um vor sich selbst davon zu laufen und vor irgendwas zu flüchten, dem sie sich nicht stellen wollten. Und genau das bedient das Rotlicht-Milieu, nie und nimmer jedoch eine professionelle Tantramassage und in jedem Fall keine Gesundheitspraktikerin.

Umso mehr nicht zertifizierte Angebote auf dem Markt auftauchten, umso höher wurde der Teil von Anfragen, die lediglich eine kurzfristige Lustbefriedigung suchten und sich nicht mit der wahren Natur von Tantra auseinandersetzten. Diese Menschen habe ich in der Vergangenheit bewusst an meine Kolleginnen in Lübeck und Umgebung verwiesen und werde dies auch weiterhin tun.

Ich verstehe meine Arbeit unter sexualpädagogischen Gesichtspunkten und ich möchte Menschen gerne neue Impulse für ihre Sexualität geben. Hierbei darf sich jeder seiner „konditionierten Sexualität“ bewusst werden, um aktiv etwas zu erweitern bzw. zu verändern, um neue Erfahrungen zu machen und sich selbst dadurch viel näher zu kommen als man es jemals zuvor war.

Ich bin unendlich dankbar für das, was mich Tantra gelehrt hat und es wird für immer in meinem Herzen wohnen und ich freue mich darauf, mein Wissen in Workshops und Seminaren zukünftig weitergeben zu können. Und ich werde mich nie gänzlich von der tantrischen Haltung abwenden. Zu wertvoll und kostbar sind die Lehren des Tantra für mich geworden, als dass ich sie einfach so loslassen könnte.

Und ich schaue gespannt in eine mir noch unbekannte Zukunft, die sich offenbaren wird, wenn es an der Zeit dazu ist. Vielleicht wird es eine Rückkehr geben, vielleicht diese Tür für immer geschlossen bleiben. Ich vertraue auf die Magie, die sich in so vielen Massagen entfaltet hat, weil ich weiß, sie kann Berge versetzen, wenn es notwendig ist. So soll es ein!

2018-04-02T14:47:22+00:00 1. März 2018|Sexual Health|

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