Höhepunkt versus Ganzkörperorgasmus

In meinem ersten Blog-Beitrag soll es um den Unterschied zwischen Höhepunkt und einem Ganzkörperorgasmus gehen. Er soll beleuchten, in welchem Zusammenhang unser aktives vom Verstand gesteuertes Machen und Tun damit zusammenhängt, dass wir die ganzkörperliche Ekstase dadurch meistens auch aktiv verhindern. Und wie wir von diesem Machen in einen Zustand des Habens oder Seins gelangen können.

Meine langjährige Erfahrung im Bereich Sexualberatung und Tantramassage, sowie meine Selbsterfahrungen, haben mir einen deutlichen Unterschied aufgezeigt, zwischen „Sex machen“ und „Sex haben“. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich in der Lage war, die Zusammenhänge zu verstehen und sie so deutlich zu erkennen, dass ich einen Text darüber verfassen und veröffentlichen kann. Nun ist es endlich soweit und ich freue mich, meine Erkenntnisse mit Ihnen teilen zu dürfen.

Zum Tantra kamen und kommen die Menschen meist dann, wenn Sie feststellen, dass das, wie sie ihre Sexualität bisher gelebt haben, noch nicht alles gewesen sein kann. Die einen klagen schon über erste Funktionsstörungen, wie Erektionsschwierigkeiten, die anderen über Lustlosigkeit. Und weil doch alles mal so gut funktioniert hat, ist man plötzlich ganz ratlos. Manch einer redet sich dann ein, es läge eben am Alter. Ich glaube, dass das nicht stimmt. Vielmehr ist es die Art und Weise, wie wir mit unseren Körpern in Bezug auf Sex umgehen.

Wie aber wollen wir uns erklären, dass es Menschen gibt, die ihre Potenz und Lust bis ins hohe Alter erhalten und eine wundervolle Sexualität leben, während andere in ein tiefes Loch fallen?

So können Sie vom Macher zum Geniesser werden

Meine These dazu ist, dass wir in jungen Jahren nicht lernen, wie Sexualität funktioniert und so werden wir zu Sex-Machern, wir fangen an, etwas mit uns, unserem Genital und dem Genital des Menschen gegenüber von uns zu tun. Wir tun Dinge, von denen wir lesen, sie im TV sehen oder von anderen hören. Es findet eine Verarbeitung auf rationaler Ebene statt und von dort aus wird es dann auch umgesetzt. Wir machen den Sex also mit unseren Köpfen, so wie wir Brot schneiden und eine Maschine bedienen oder durch Reibung ein Feuer erzeugen und funktionieren unsere Körper dabei zu einem Objekt um. Man könnte auch sagen, unser Verstand benutzt unseren und den Körper des anderen wie ein Objekt, um etwas über das Außen zu erreichen – in diesem Falle den Höhepunkt (Ejakulation, umgangssprachlich Orgasmus oder wie ich es nenne: Druckabbau) durch Reibung.

Der Höhepunkt ist dabei letztlich jedoch nichts anderes, als eine Entladung, ein überkochender Wassertopf, der über den Siedepunkt hinausschießt, weil er nicht weiß, dass es auch möglich ist, unterhalb des Siedepunktes einen ekstatischen, stundenlang anhaltenden Zustand zu erreichen, der viel mehr was mit Orgasmus zu tun hat, als ein Höhepunkt. Wir stimulieren uns binnen weniger Minuten oder gar Sekunden einem Höhepunkt entgegen und wundern uns über vorzeitige Samenergüsse und Anorgasmie.

Schon aus der Steinzeit wissen wir, dass wir durch intensive Reibung soviel Wärme produzieren können, dass dadurch Feuer entsteht. Möchte ich nun aber nicht gleich alles in Brand stecken, sondern nur ein paar Funken sprühen lassen, so kann ich dies regulieren, indem ich die Reibung (Stimulation) runterfahre, also weniger Druck und weniger Geschwindigkeit.

Wenn es uns jetzt noch gelingt, aus diesem rein rationalen „Tun“ (Reibung erzeugen) in einen Zustand des Seins zu kommen, was soviel bedeutet, wie: Nicht der Kopf entscheidet darüber, dass es jetzt durch Reibung warm werden soll, sondern unser Körper sagt: „Hey, ich möchte es wärmer haben!“, und umgeht mit diesem körperlichen Bedürfnis den Kopf und lässt die Bewegung einfach geschehen, dann entsteht ein völlig neuer Raum.

Es ist eine klitzekleine Fokus-Veränderung mit enorm großer Wirkung auf der gefühlten körperlichen Ebene. Auch beim Thema „Fühlen“ gibt es diese kleine Fokus-Verschiebung, die es möglich macht, vom Fühlen dessen, was der Verstand uns als Gefühl glauben lässt, zu haben und dem wirklichen Fühlen auf körperlicher Ebene. Darüber werde ich an anderer Stelle nochmal ausführlich schreiben.

Die Kunst, orgasmisch zu werden, was eher einen Zustand der Verzückung des ganzen Körpers über Stunden meint, als den kurzen und spitzen Höhepunkt, liegt einzig und alleine darin, das aktive Machen sein zu lassen und einfach ins Geschehenlassen zu kommen. Unsere Körper haben eine ganz eigene Intelligenz und wissen, was sie zu tun haben, wenn wir nur einmal unseren Verstand in die Ruhe bringen und dieses Geschehenlassen auch zulassen.

Ich gebe zu, es erfordert anfangs schon ein wenig Mut, einfach in Stille miteinander zu sein und mal zu fühlen, was sich da wirklich alles bewegt im Körper und auch im Herzen und in der Seele und neugierig wie ein Kind zu beobachten, wie sich in einem etwas entfaltet, was man vielleicht noch nie zuvor gespürt hat. Eine Lebendigkeit, eine sexuelle Energie, die sich ganz fein bis in jede Zelle des Körpers ausbreitet und ihre ganz eigene Schönheit entfaltet.

Insbesondere für die Menschen, die meinen, schon alles erlebt und ausprobiert zu haben, mag dies eine besondere Herausforderung sein, vom Machen ins Geschehenlassen zu kommen. Letztlich ist es egal, ob Missionarsstellung, BDSM oder sonstige Abenteuer – sie alle beruhen auf dem aktiven Machen und darin werden wir aus meiner Sicht niemals wirkliche Befriedigung finden, weil unser Körper eigentlich etwas anderes möchte und uns solange auf die Reise des Suchens schickt, bis wir angekommen sind. Und ich möchte hiermit niemandem seinen Sex verderben – bitte nicht falsch verstehen! Seien Sie bitte einfach offen für eine neue Idee und probieren Sie es aus und entscheiden dann selbst, welche Form Sie in Zukunft praktizieren wollen.

Und es ist gar nicht so schwer, das kann ich aus eigener Erfahrung noch dazu sagen. Wenn man sich erst einmal darüber unterhalten und die Scheu, es auszuprobieren, überwunden hat, machen die meisten Paare nach kurzer Zeit Wow-Erfahrungen und möchten diese Form des Seins und Geschehenlassens in ihrem Bett nicht mehr missen. Es ist eine Art von Sexualität, die uns bis ins tiefste Innere berührt und wir uns vielleicht zum allerersten Mal wirklich nahe kommen. Uns selbst und dadurch auch unserem Partner. Sie entspannt, nährt und macht glücklich und zufrieden.

In jedem Fall lohnt es sich, einen Schritt in Richtung zum Sex-Genießer zu wagen, anstatt beim Sex-Macher stehen zu bleiben. Gerne begleite ich Ihren Weg dorthin mit Einzelsessions, Coachings oder z. B. einem Slow-Sex-Seminar.

Ich freue mich auf Ihre Kommentare und antworte Ihnen gerne auf Ihre Fragen!

Herzliche Grüße,

Ihre
Moraya Kraft

2018-02-17T18:10:17+00:00 31. Oktober 2017|Sexual Health|

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